Schattenspiele

Über

Aus freien Stücken

Wem Fühlen

und Denken

in Stücke

geschlagen wurden

die dadurch befreit sind

aus ihrem Zusammenhang

der wehrt sich nicht

wenn man einige Stücke

falsch zusammensetzt

und dann von ihm sagt

er lasse das alles geschehen

aus freien Stücken

Erich Fried

 

 

Ich habe dieses Blog „Schattenspiele“ genannt – weil ich zunächst einmal nur vorhabe, Tagebuchfragmente und Briefe einzustellen, die ich im Zusammenhang mit meinen Therapien geschrieben habe – aber keine zusammenfassende Doku. Ich denke, die Textstücke sprechen für sich, auch wenn sie nur selten direkt berichten, was geschehen ist, sondern einfach widerspiegeln.

Zum Überblick: Herr K. war der dritte Therapieversuch, ein Analytiker - mit dem ich die vorangegangen Therapieschäden bearbeiten wollte.

Der zweite Versuch fand in einer Klinik statt - und war geprägt von hochgradig unprofessionellem Verhalten, das für mich zur Katastrophe führte.

Die erste Therapie in diesem Zusammenhang ist die Alkohlolismustherapie, die mit sexuellem Missbrauch endete.

Davor und dazwischen und auch noch danach gab es unzählige Therapieanfänge und Kontaktaufnahmen zu "professionellen" Helfern.

Wo immer in meinen Aufzeichnungen "xxxxx"auftaucht, ist damit die Klinik gemeint.

 


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Blog

Hallo an alle, die hier lesen.

Ich halte derzeit so etwas wie meinen Winterschlaf - und da stagniert das hier. Ich würde mich aber freuen, wenn ihr mein HeuteBlog besucht - dort will ich insbesondere in der Adventszeit täglich etwas einstellen.

LG und euch allen eine schöne Zeit, Schneeflocke

4 Kommentare 18.11.07 13:35, kommentieren

Zeitumstellung

Tagebuchaufzeichnung vom November 1999 zum Thema „Zeit“

Umstellen der Uhren von Sommerzeit auf Winterzeit: es ist 5oo h. Aber meine innere Uhr hat 6oo h. In Wirklichkeit ist es ja auch 6ooh. Aber in wirklicher Wirklichkeit ist es 5oo h. Denn die 6oo h, an die ich mich so gewöhnt habe, beruht auf einer Verstellung, an die ich mich gewöhnt habe.

Richtig oder falsch nützen mir hier nichts. Wenn alle Uhren gleich gehen, werde ich mich, mit der Zeit, wieder gewöhnen. Schwierig wäre es, gingen manche Uhren so, manche so. Zum Beispiel früher gingen die meisten Uhren anders als zu Hause...

Bei ihm fand ich endlich wieder eine Uhr mit der „richtigen“ Zeit, der Zeit, die mit meiner inneren Uhr übereinstimmt. Das ist ein Wissen, daß unauslöschbar ist. Auch wenn er danach die Uhr verhängt hat, verstellt, schließlich mich verjagt hat. Ich habe ihr inneres Ticken vernommen...

Was aber, wenn die richtige Zeit doch nur eine seiner unzähligen Manipulationen, Einstellungen, war, die ich gesehen habe, und, ja natürlich hörte ich in dem Moment auch „ihr“ inneres Ticken, aber in mir, unauslöschlich war es da...

Aber auch dann wäre es doch wichtig gewesen, dieses nicht zu leugnen - wie kann ich als Therapeut da, wo ich mit Unauslöschlichem, d.h. authentischem Selbst, in Berührung komme, so damit umgehen?

Aber ob auch diese richtige innere Uhr wieder nur, so wie mir die jetzt als richtig erscheinende innere Uhr, die 6oo h zeigt, auf einer vorherigen Verstellung beruht? (Und sein befremdendes Verhalten etwas damit zu tun hat, daß für ihn dieses verstellt sein auf jeden Fall gegeben ist? - Selbst wenn es so wäre, rechtfertigte das nicht diese Foltermethoden; denn kein Mensch kann den zweiten Schritt vor dem ersten tun.

Die Anerkennung des Unauslöschlichen wäre wichtig gewesen, statt es wieder zu untergraben; die adäquate Einschätzung innen/außen vielleicht als nächster Schritt - meine innere Uhr ist es, die tickt (wenn es denn so war) - und dann, irgendwann wenn die Zeit dafür reif sich gezeigt hätte, die Verstellbarkeit auch dieser inneren Uhr erarbeiten - das wären machbare Schritte gewesen.

Die Uhr - Spiegel der Zeit; sie zeigt äußeres, meßbares, manipulierbares

Die Uhr - sagt nichts über das Wesen der Zeit

Das Wesen der Zeit ist nicht meßbar, nicht mechanistisch erfaßbar.

Jede Uhrzeit ist Konsens über Formgebung.

Als ich die letzte Therapie begann, wollte ich nichts über das Wesen meiner Zeit erfahren; ich wollte eine Art Feinabstimmung vornehmen. Die Frage des Berufslebens stand drängend im Raum; eine Frage der äußeren Struktur, Formgebung. Mit dem xxxxxx Resultat war diese Aufgabe nicht zu bewältigen - die xxxxxx Einstellung war nicht angemessen. Man mag darüber denken, wie man will, daß ich eine äußere Regulation wollte, aber als mein Wunsch wäre das unbedingt zu respektieren gewesen.

630 h Normalzeit - ich hasse es, wenn ich eigentlich noch schlafe und mein Hirn schon auf Hochtouren läuft...

Aber andererseits (nochmal anknüpfend an meine obigen Gedanken zu meiner Therapie):

Ist Wesen von Form zu trennen?

Gibt es einen Apfel, ein Wesen des Apfels ohne Form?

6 Kommentare 7.11.07 09:39, kommentieren

Ein Zettel, Skizze zu einem Brief, aber liegengeblieben...vom Herbst 2000

Versuche, durch Galeanos Einleitung zu „Wandelnde Worte“ angeregt,

„ ...Also höre ich auf zu erklären und erzähle. ...“

einen neuen Zugang, wieder einmal, zu K. zu finden.

Meine Hassbriefe – sind sie gerecht ?

nicht meine Gerechtigkeit,

nicht meine Logik?

Gibt es nicht etwas, was ich jenseits dessen sagen kann – jenseits des Einforderns und Beklagens dessen, was nicht freiwillig kommt, obwohl es adäquat wäre –

Ja. Galeanos Geschichte vom Irrtum.

Fenster zum Irrtum

Es geschah in der Zeit der langen Nächte und eisigen Winde: Eines Morgens erblühte im Garten vor meinem Haus die Gardenie, und die kalte Luft sättigte sich mit ihrem Duft, und am selben Tag erblühte der Pflaumenbaum und erwachten die Schildkröten.

Es war ein Irrtum, und er dauerte nicht lange. Doch dank des Irrtums konnten Gardenie, Pflaumenbaum und Schildkröten glauben, der Winter sei irgendwann zu Ende. Und ich auch.

Eduardo Galeano

Aber es scheint, Sie wollten mir unbedingt deutlich machen, der Irrtum sei, dass ich glaubte, es gäbe noch einen Sommer, irgendwann einmal. Mein „noch nicht“. Sie vertraten ein „nie mehr“. Vorahnung oder Erinnerung – eine Frage, die mich immer wieder beschäftigte. Inzwischen macht mein Leben mir immer deutlicher, dass es ein „noch nicht“ war, ebenso wie in anderen vergleichbaren Erlebnissen und Eindrücken.

Das Ganze ist vor allem auch deswegen schade und traurig, weil Sie so vieles in sich tragen, was den Sommer ein Stück näher brächte...

Augenschein

Zur Nacht hat ein Sturm alle Bäume entlaubt.

Sieh sie an, die knöchernen Besen!

Ein Narr, wer bei diesem Anblick glaubt,

es wäre je Sommer gewesen.

Und ein größerer Narr, wer träumt und spinnt,

es könnt je wieder Sommer werden.

Und doch – diese gläubige Narrheit, Kind,

ist die sicherste Wahrheit auf Erden.

1 Kommentar 4.11.07 22:50, kommentieren

Noch ein Wort an die, die hier lesen und mich nicht kennen...

Der Hass ist nicht mein letztes Wort. Es war vielleicht der entscheidende Grund, meine Aufzeichnungen nicht zu vöffentlichen - dass ich das nicht wollte, aber noch nicht über den Hass hinaus war.

Dann war das Thema lange uninteressant - es ist ja eine Weile her.

Jetzt wird es wieder interessant durch Menschen, die in derselben Hölle stecken wie ich damals. Sie sind der Auslöser gewesen, dieses Blog anzufangen. Denn sie stoßen auf dasselbe Unverständnis und dieselbe Stigamitisierung.

Das Thema weckt Aggression, unübersehbar. Und ich merke, wie selbst mit all dem Abstand Äußerungen anderer schmerzen.

Bin froh, dass ich heute morgen in meinem Jahreslesebuch fand:

 

Eine Diskussion verbirgt die Wahrheit häufiger, als dass sie sie offenbarte. Die Wahrheit offenbart sich meist in der Einsamkeit. Tritt sie zutage, wird es dir klar, dass du sie ohne Diskussion und Debatte annehmen kannst. (Tolstoi)


Halte dich von Auseinandersetzungen fern. Sie sind eine ganz und gar unlogische Art, andere zu überzeugen. Meinungen sind wie Nägel: je stärker du auf sie einschlägst, desto tiefer dringen sie ein.

Juvenal

Ja, wirklich, Meinungen können wie Nägel sein. Und ich habe noch nicht ganz gelernt,es nicht zuzulassen, dass der Stachel mir wieder tief in die Seele dringt und ich verwerfe, was ich längst verstand.

Wenn wir alle aufhören würden, Meinungen zu vertreten, sondern nur teilten, was wir erleben und erlebten - ganz anders könnten wir uns befruchten.

Und so komme ich wieder bei mir an, und teile mein Erlebtes. Und freue mich an Menschen, die das auch tun - und gehe den anderen aus dem Weg.


4.11.07 20:45, kommentieren

Abschied    Begrüßung   Liebeserklärung   Anklageschrift ... –  mal sehn, was es wird.

 

 

An meinen Analytiker...

 

Ich werde eine neue Form des Schreibens finden müssen. Die Situation ist die:

Ihm persönlich kann ich seit langem nicht mehr schreiben, aus Sorge um ihn. Aber ich kann so auch den Abschied nicht nehmen, den ich eigentlich nehmen wollte, nicht von ihm, sondern von dem, wofür er stand. Inzwischen scheint sich aber auch Grundsätzliches in mir geändert zu haben; ich sehe ihn nicht mehr als Verkörperung etwas Alten, wovon ich mich lösen möchte ( und darin sind wir gescheitert), sondern betrachte uns mehr und mehr als Verkörperung zweier grundlegender Antagonisten, als zwei Pole von Wirklichkeit, als zwei extreme Erscheinungsformen, wobei ich gar nicht darauf aus war, dieses Extrem einzunehmen, sondern erst durch die Existenz des anderen Extrems dazu gezwungen wurde.

Ich hätte mich gerne der seinen angenähert, sie kennengelernt, würde mich auch gerne heute unter diesem neuen Vorzeichen annähern, aber all das ist und war in der verfahrenen Situation nicht möglich. Vielleicht kann ich es schreibend tun. Denn ich glaube, dass nur in einer Annäherung die beiden Extreme aufgehoben werden können. Mit der konkreten Person meines Analytikers war das nicht möglich, aber ich möchte nicht in dieser Sackgasse verharren. Mein Versuch also, auch unter Einbezug der unzähligen Briefe, die ich geschrieben habe, mich, unter Erzählen meiner Geschichte, dem anzunähern, was ich als den anderen Pol erlebe, der mich zu dieser Seinsweise zwingt; dabei auch erzählend, was mich anzieht, was ich mir erhoffe, was mich abstößt, was für mich zerstörerisch ist.

Möge dieser Versuch mich ein Stück dem näher bringen, was ich wirklich leben wollte und will!

1 Kommentar 2.11.07 22:19, kommentieren

Frühjahr 98

Haben Sie wirklich nicht verstanden, warum ich solche Angst haben musste?

Die unerbittliche Lektion meiner Therapien war: Wünsche werden erfüllt, wenn sie einmal ausgegraben sind. Mein Instinkt sagte mir immer, dass das falsch war, aber den möchte ich sehen, der diesen Kampf gewinnt! Krankheit und Helfer waren eins geworden.

Das scheint mir erklärungsbedürftig für jemanden außerhalb meines Kopfes... :-)

Ich glaube, das ist nur verständlich wenn man begreift, wie sehr ich psychoanalytische Denkweise verinnerlicht hatte. Ich ging davon aus, dass Unbewusstes mich treibt, unbewusste wünsche des Kindes, das ich einmal war. Die zur Erfüllung drängten - und mich damit immer in neue Abhängigkeitssituationen brachten. Ich wollte diese Wünsche kennen lernen, wollte wissen, was da in mir ist, was mich treibt. Wollte mich verstehen lernen. Wollte die wirklichen Hintergründe meines Verhaltens verstehen lernen. Aber diese alten unbewussten Wünsche zu erfüllen, halte ich für definitiv falsch. Damit verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart auf pathologische weise, wird jemand auf alten Entwicklungsstufen festgehalten. Und genau das ist ja auch passiert.

Und wenn diese alten Wünsche noch dazu tabuisiert sind, und sie werden erfüllt, bevor ich sie begreife und bejahen kann - dann entsteht HÖRiGKEIT.

Bei Ihnen war das Paradox eingetreten: dass der Zwang zur Freiheit werden sollte, der Missbrauch zur Hilfe.

Es ist nicht gut gelaufen, und ich komme immer wieder an den Punkt, dass ich merke, die Geschichte ist so nicht abschließbar. Es kann mir aber auch keiner helfen, denn alle setzen an der falschen A. als der richtigen an. Ich glaube auch, dass es eigentlich nur aus psychoanalytischem Blickwinkel gelingen kann, die Dinge wieder aufzulösen (Das habe ich auch damals schon geglaubt, und deshalb war ich so verzweifelt über Sie. Und bin auch noch immer empört darüber, dass Sie mich einfach meinem Schicksal überließen, obwohl Ihnen hätte klar sein müssen, dass die Dinge nicht von selbst wieder ins Lot kommen, und Hilfe in dieser Stadt zu finden, haben Sie aus meiner Sicht unmöglich gemacht. Es geht nicht. Ich lande immer wieder bei der Wut. Und ich glaube auch, dass Sie die Wut verdient haben, eher als alles andere. Aber ich habe etwas anderes verdient!

Es ist Ihre Schuld, Herr K:! Wenn Sie von Anfang an sauber gearbeitet hätten, sorgfältig und klar gewesen wären, wäre das alles nicht passiert. Sie wollten nicht so hart sein, in Situationen, in denen es vielleicht schwer gewesen wäre; aber es hätte Sinn gemacht; - nämlich nicht die Rolle des väterlichen Freundes zu übernehmen, als meine Mutter krebskrank wurde, sondern mich als erwachsen achten. Die Distanz wahren. - wogegen die Grausamkeit, die Sie so endlos an den Tag legen mussten, auch nichts mehr genützt hat; sie war sinnlos, eben einfach nur grausam und quälend. Ich hätte Ihre Klarheit und Aufmerksamkeit gebraucht, von Anfang an, und das wäre Ihre Aufgabe gewesen.

Es ist ein Traum, ein uralter Traum, wo ich bin (und es ist noch die Frage, ob es einer ist, der auf den Müll gehört!) – und den ich bewahren möchte, an den ich glaube – und ich schütze ihn vor der Wirklichkeit – deshalb hab ich z.B. auch keine Lust, jemanden anzurufen – ich merke zwar, dass ich ganz weit weg bin, aber ich will allein sein mit meinem Schmerz und meinem Traum

Ich begreife nicht, warum Sie mir nicht helfen konnten. Haben Sie in Ihrer Ausbildung eigentlich auch noch etwas anderes gelernt, außer sich abzugrenzen und für sich selbst zu sorgen? Der Kontaktabbruch war keine gute Idee. Weil ich es bis jetzt nicht geschafft habe. Ich wollte Ihnen meinen Traum zeigen, mich öffnen.

Ich werde nicht fertig mit dem, wie Sie mit mir umgegangen sind. Sie sind der Albtraum zu meinem Traum, obwohl Sie den Traum haben Bild werden lassen.

Ich glaube, dass Sie den Dingen, die Sie anrichten, überhaupt nicht gewachsen sind.

Es ist eine Schande, dass nach missglückten Therapien Menschen einfach sich selbst überlassen werden, und sie sogar noch an anderer Stelle unmöglich gemacht werden (Dr. G), damit mir bloß keiner glaubt – und hilft.

Könnte es vielleicht sein, Herr K:, dass für Sie mein Traum allzu gewöhnlich, zu banal war, Sie so daran gewöhnt sind, dass PatientInnen Ihnen irgendwann solches Vertrauen entgegenbringen, dass Sie es quasi nur noch als Programmpunkt abhaken? Dass Sie überhaupt nicht mehr begreifen, was das vielleicht für den einzelnen Menschen bedeutet, auf ein solches Gefühl zu stoßen? Dass Sie den Respekt davor verloren haben, Sie dieses Wunder – jawohl, Wunder! – überhaupt nicht mehr zu schätzen wissen? Mein „Ja“ war für mich so neu, und so wunderbar, dass ich es kaum fassen konnte. Und schon damals war ich sehr erbost, mit welcher Selbstverständlichkeit Sie anscheinend, als es schwierig wurde, auf meine Loyalität setzten – Sie setzten mein Vertrauen einfach voraus – und hatten für den Augenblick gewonnen – aber in Wirklichkeit war alles verloren. Ich hatte nie vertraut, ich war immer rebellisch; das ganz normale vertrauen, dass andere ihren Lehrern, Ärzten, weiß nicht wem entgegen brachten - ich hab es nie gekannt. Und da war es auf einmal. Und ich fühlte: es ist so wichtig, dass ich auch das zulassen kann.

Ich wusste, dass mein Bild niemals wahr würde, aber ich wollte mich mit Ihnen gemeinsam davon verabschieden. Leider bin ich kein Roboter, und ohne Ihren wirklichen Respekt ging das nicht. Und geht es bis heute nicht.

Nein, so kommen wir nicht weiter. Wir können uns darauf einigen, dass das Ganze in einer Sphäre geschah, die nicht der normalen Realität entsprach, und die Sie offenbar bemüht waren, aufzubrechen. Sie haben nicht, wie die Therapeutin in xxxxxx, die Gefühle dieser Sphäre auf sich gezogen und mich darin bestätigt. Und das sollten Sie ja eben auch gerade nicht. Und trotzdem ist so auch nichts gelöst, Sie haben mich einfach nur allein gelassen, mit unsagbaren Kränkungen, und in der Normal-Wirklichkeit bin ich noch immer nicht wieder, bzw. nur zeitweise.

Jetzt ist’s passè, aber ich glaube nicht, dass der Abbruch eine gute Entscheidung war. Vielleicht komm ich da nie wieder raus.

Will ich das?

Bin ich blind? Vielleicht geht es mir so schlecht, weil ich im Moment nur noch Kontakt zu einer einzigen Person, einer Freundin, habe (außer meinen Schülern); der letzte Mann aus meinem Bekanntenkreis will nichts mehr mit mir zu tun haben, und unsere Gespräche fehlen mir sehr, aber es ist Schicht. Ich glaub, es hat damit zu tun: das männliche Element fehlt. Und die Beziehung zu V ist sehr eng und speziell. Und stößt mich immer wieder auf das Thema „Autismus“.

Na gut. Bleibt die große Frage „Wie?“, aber die Richtung wäre schon mal klar.

Habe gerade noch den alten Zettel dazwischen gefunden, wo ich das mit xxxxx noch beschreibe, und den ich beim letzten Mal nicht mit abgesendet hab, und denke, wieso muss ich damit allein fertig werden, wieso wollten Sie das alles nicht hören... Man muss das alles doch mal jemandem sagen – aber ich denke, Sie hätten es ja hören wollen, nur nicht als der, der Sie zunächst für mich waren

Scheiße !

Außerdem traue ich Ihnen nicht mehr. Ich kann die Sachen nicht abschicken. Wer weiß, was Sie damit machen. Oder ob Sie irgendwann meinen, eingreifen zu müssen – und Sie tun ja sowieso wieder das Falsche.

Wieso hak ich Sie nicht ab? Wieso glaub ich im Grunde meines Herzens noch immer an Sie? Das kapiert niemand.

Vielleicht hätte ich Sie auch in einer anderen Rolle als der des Analytikers gebraucht – ich brauchte Rat, Halt, Orientierung – und hab nur auf meine innere Stimme gehört, und die sagte, Sie sind der Mensch, wo ich das bekommen kann – aber Sie haben gar nicht hingeguckt, Sie haben einfach nur Ihr Programm abgespult.

Sie hätten mir viel geben können – und vielleicht wirklich helfen können. Aber auf dem Ohr sind Sie ja taub – Hauptsache, Sie sind ein guter Analytiker. Wissen Sie, was ein Fachidiot ist?

Ich habe mich eben geirrt. So. Das kommt vor.

„Wie soll man erwachen, wenn man immer nur gelernt hat, zu träumen?...“

Herman v. Veen

Es geht nicht um einen neuen, – seinen– , Weg – es geht darum, den Ansturm aus meinem Inneren aushalten zu lernen; damit umzugehen; mich von meinem Inneren nicht mehr ängstigen zu lassen.

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Ich kann nicht mehr – mein Herz kann jeden Moment stehen bleiben – es war zuviel, all die Jahre Angst und Flucht, meine Kraft ist erschöpft. Vielleicht auch das schon der Punkt vor xxxxxx: Meine großen Pläne – Schwindel – weil: ich hatte gar nicht mehr die Kraft. Es ging schon da nicht mehr alles. Meine Kindheit hat schon Unendliches an Kraft gekostet. Ich habe Grenzen. Und ich kann nicht mehr. Das muss ich akzeptieren. Ich kann nur noch ganz ruhig angehen lassen. (Ich glaube, ich wollte ihn, gerade weil ich Angst vor ihm hatte, einspannen, dass ich weitermachen muss; ihn als Antrieb, die Hetze aufrecht zu erhalten– denn damit aufzuhören, war zu bedrohlich; das war das, dem er mich, unverstanden, auch nie allein hätte aussetzen dürfen; indem er nicht „funktionierte“, überließ er mich einer namenlosen Bedrohung)

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Träume:   Führerlose S-Bahn

                 Motorrad mit Raketenantrieb ohne Bremsen ( direkte Antwort auf Savators: “Es gibt das Unwiderstehliche, dass, was dich zur willenlosen Marionette macht, nicht; es ist eine Erfindung derer, die die Freiheit und Verantwortung fürchten.)

 

Und ich bin Ihr Stachel im Fleisch – jetzt weiß ich, warum –

Für Sie waren dieselben Träume angeknackst, gerade in der Zeit, als unsere Therapie begann, gab es in Ihrem Leben dicke Scherben und Brüche (seine Ehe zerbrach und auch die Selbständigkeit hatte einen hohen Preis); daher Ihr Zynismus und Ihre Grausamkeit meinen naiven Träumen und wünschen gegenüber; noch ein Jahr zuvor wären Sie ein guter Therapeut für mich gewesen; und in ein  paar Jahren vielleicht wieder.

2.11.07 22:11, kommentieren

Kann heute eines der Gefühle, die ich beim Lesen habe, etwas genauer benennen:

ich leide nicht mehr unter den Konsequenzen. Ich leide nicht mehr unter der Situation, die meine Therapien geschaffen haben - zumindest nicht in dem Sinne, als dass ich denke, anders wäre es besser. Sprich: ich leide schon unter meiner Einsamkeit, darunter, kein "normales" leben zu haben. Aber daran sind nicht meine Therapeuten schuld. Das hat etwas damit zu tun, dass ich unter den gegebenen gesellschaftlichen Umständen noch keinen anderen Weg gefunden habe, den ich aufrecht gehen könnte..

Ja, ich bin draußen, ja , ich nehme am normalen Leben nicht teil. Aber ich glaube, anders würde es meinen Auffassungen auch nicht entsprechen. was ich mir anders wünschen würde wäre: einen klaren Kopf zu haben. Zu wissen, was ich zu tun habe. Aber daran muss ich arbeiten.

Letztlich scheinen meine Therapien mich immer klarer die werden lassen, die ich bin. Und das ist mir eim Moment ein Widerspruch, den ich nicht auflösen kann: denn genau das sollen Therapien ja. Andererseits stimmt ich nach wie vor mit jedem meiner Worte überein und klage an - klage an die Grausamkeit, die ich erfahren habe, die Unprofessionalität, die Verantwortungslosigkeit, die Lügen.

Ich nehme diesen Widerspruch zur Kenntnis. Vermutlich werde ich irgendwann klarer sehen.

(Werd für den besseren Überblick die Heute-Gedanken in grün einfärben...)

5 Kommentare 29.10.07 10:01, kommentieren