Schattenspiele

Herrn Klugscheißer 4. Dez. 98

Wissen Sie, was ich glaube – gerade weil sie „anständig“ sein wollten (mich darin zu unterstützen, wie schlimm meine Therapien waren, war Ihnen zu billig), kam es zu dem Fiasko. Aber ich glaube auch, dass Sie dabei nur sich im Auge hatten, Sie wollten ein „anständiger“ Analytiker sein, ein guter Analytiker – Sie hatten nicht im Auge, was ich gebraucht hätte.

Was Sie mir zugemutet haben, vor allem mit Ihrem genialen Ende, was mich gänzlich verbannte, und was ich nur als Kurzschlussreaktion Ihrerseits bezeichnen kann, schreit zum Himmel.

Ich habe in den letzten Jahren nach unserer „Therapie“ die Hölle durchgemacht, tiefer denn je; dass es keinen Sinn hat, mich noch an jemanden zu wenden, hatten Sie ja exemplarisch an Dr. G gezeigt, und mein Gefühl, Sie sind allmächtig, nur bestärkt.

Aber zu Ihrer Entlastung: Ich lebe noch, und bin gesünder, als Sie es vermutlich je sein werden.

A.K.

Sie setzen einzig auf Ihre Wirkung – und damit haben Sie auch Dr. G eingenommen, der war hin und weg – was Sie offenbar widerum sehr für ihn eingenommen hat.

Sie setzen nicht auf Heilungsprozesse, denn den beginnenden Heilungsprozess haben Sie zerstört; nicht auf Klarheit – auch wenn Sie viel davon reden und angeblich Wert darauf legen; Sie schaffen keine Klarheit und selber sind Sie verwaschen, Schein aber kein Sein; ich glaube, dass Ihr Bild in sich zutiefst dem entspricht, was ich in mir trug und was Sie erfüllten – deshalb konnte auch nichts aufgelöst werden, denn Sie sind so.

Ihre Kollegen überzeugen Sie mit dieser Fassade, Ihre Patienten betrügen Sie um wirkliche Entwicklungs-möglichkeiten.

Sie lassen nichts zu, was Sie nicht geplant haben – außer mir kein Heil – deshalb durfte auch Dr. G nicht unvoreingenommen die Dinge betrachetn.

Und eben weil Sie so von sich überzeugt sind, kommt Ihnen wahrscheinlich auch nie der Gedanke, dass Sie tatsächlich wirkliche Hilfe verweigern, Heilung verhindern.

„Eine Frage des Zugangs...“ – es wäre ein Kinderspiel gewesen, in meinen klaren Momenten Zugang zu mir zu finden.

Das habe ich von Anfang an versucht, klar zu machen – und dass Sie den Mut auslösten, die Sache geschehen zu lassen, um sie aufzulösen.

Wissen Sie, was ich empfinde, wenn mich wieder und wieder Geschehnisse, die ich in Ihrer Praxis erlebt habe, quälen : Ekel; Ekel, Abscheu und Fassungslosigkeit.

Man hat aus Ihnen (und fast allen anderen Berufskollegen) jemand gemacht, der das primär Wichtige verweigert: seine Menschlichkeit. Statt mit Ihrer Menschlichkeit vertraut zu werden, damit umgehen zu können, hat man Ihnen beigebracht, sich dagegen abzugrenzen. „Natürlich“ auch im Interesse des Patienten...

Dass Sie alle, die in diesem Spiel mitmachen, diese Perversion nicht durchschauen, ist tragisch. Aber im Grunde, glaube ich, ein häufiges Phänomen. Ich glaube, dass keiner von Ihnen mehr einem in Not geratenen Menschen helfen kann – es sei denn, er verkauft seine Seele.

Ich werde nicht fertig mit den Dingen. Gestern abend spielte ich ein altes Lied von Moustaki, „Gaspard“, und fühlte mich auf einmal ähnlich ausgesetzt, wie dieser sich gefühlt haben muss. Niemand spricht mehr meine Sprache. Und ich habe Angst, daran zu sterben. Und ich habe auch noch immer Angst um Sie, Angst auch, dass dieser Brief Unheil anrichtet, aber ich halte das Schweigen nicht mehr aus.

A.

Vielleicht eben weil Sie nicht richtig hingucken konnten, entstanden so viele geschmacklose und würdelose Situaionen, über Wochen andauernd –

und mit dem „Abschluss“, s.o., haben Sie mich ganz real in eine jetzt seit 3 Jahren andauernde quälende und mir ausweglos erscheinende Situation gebracht, die ich sogar zur Anzeige bringen könnte. Ich frage mich, ob Sie sich eigentlich dessen irgendwo bewusst sind?

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Es gibt etwas, das Sie versäumt haben, das Wichtigste: sich als Mensch erkennen zu geben. – Ich glaube, das ist letztlich sowieso das Einzige, was Menschen füreinander tun können – alle psychologische Therorie und Vorgehen ist doch nur Beiwerk, um das zu ermöglichen. Wo sie das ersetzt, ersetzt Therapie den Menschen.

Sie scheinen jedoch, je verfahrener die Situation wurde, immer fester davon überzeugt gewesen zu sein, dass eben dieses „sich als Mensch erkennen zu geben“ das Verkehrteste überhaupt sei. Was hat man Ihnen für eine Sch ... eingebleut, dass Sie das Wichtigste zurückhalten. Was lehrt man Sie für eine Angst vor der eigenen Menschlichkeit! Und Hilflosigkeit scheinen Sie schon gar nicht eingestehen zu dürfen.

Es ist eine Tragödie, was unser Ausbildungssystem aus Menschen macht, die helfen wollen. Und eines Tages ist Ihrer aller Arbeit sowieso überholt, darin sind Roboter wirklich besser! Das echte revolutionäre Potential der Psychanalyse haben sie längst verspielt. Und wer heute noch, wie ich, auf menschliche Qualitäten pocht und sich nicht funktionalisieren lässt, der geht in Ihren Augen rückwärts.

Nun denn, Ihr Name ist Mensch, so nicht-menschlich Sie sich auch gebärdet haben. Vielleicht genügt es, dass noch einmal zu sagen, um mit diesem eiternden Stachel etwas besser fertig zu werden.

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Ich glaube, dass sie ähnlich tumb sind wie Parsival, der bei aller Tüchtigkeit sich die einfache menschliche Eigenschaft des Mitleids erst auf langen Irrfahrten erwirbt.

Er hatte es in der Hand, den alten König von seinem Leid zu erlösen – aber er versagt.

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Ich glaub, ich hab’s verstanden: Therapie zwingt mich, auf einer ganz bestimmten Ebene wahrzunehmen und zu fühlen, der des Kindes eben.

Offenbar warteten Sie darauf, dass irgendwann von selbst eine Thematisierung dessen in der Distanz dazu erfolgte – ich also den Sprung zurück (in die Gegenwart) machte. Ich wieder- erkannte. Das Kind erkannte, dass ich einst war.

Das konnte nicht passieren, weil ich genau dazu keinen Kontakt hab. Ganz sicher nicht deshalb, weil meine Kindheit so schön war.

Wie man mit einem Menschen, der sichtlich grausames erlebt hat, so geschmacklos umspringen kann wie Sie mit mir, möchte ich überhaupt nicht wissen. Mit Sicherheit steckt nicht Integrität und reifes professionelles Verhalten dahinter.

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Auch in der Therapie ist echte Begegnung möglich, und die habe ich verlangt; niemand kann sich in der Massenabfertigung zu echter Individualität entwickeln, denn die braucht das DU.

Auch da hatte ich etwas anderes verdient. Und ich hole es mir.

Wenn Sie es nicht können, o.k., ich habe keinen Rechtsanspruch darauf; aber dann lassen Sie doch das Verwirrspiel und geben direkt zu, dass Sie eigentlich keinen Bock haben, mit jemandem um seine Gesundheit zu ringen, dass Sie das für müßig halten, und halt nur Ihren Job machen wollen.

Die Auseinandersetzung, die ich hätte führen müssen, um Abschied nehmen zu können, haben Sie verweigert; Sie haben eine andere geführt, Machtkämpfe ausgetragen, aber das war weder die Antwort noch die Herausforderung noch die Begegnung, die anstand. Für die waren Sie nicht offen. Sie haben Sie begonnen und dann verweigert.

Zurück in die Zukunft

Meine Wünsche hingen hoch

und das mussten sie;

so erschuf ich mir wieder eine Zukunft

ein Gerüst, an dem ich mich erneut aufrichten wollte

Sie aber suchten in der Tiefe

in der Annahme,

dass ich dort zu finden sei

So dass auch ich mich herabbeugen musste

zu Ihnen

Um wieder auf gleicher Höhe zu sein

denn das schien mir Wachstum

Zurück in die Zukunft wollte ich

und das wollten Sie auch

aber Sie wollten mir zeigen müssen

wo Zukunft ist und wo Vergangenheit

denn das sind die Regeln

die Sie kennen

Aber als ich das tat, sagten Sie:

Warum machen Sie sich so klein?

Ob Sie nicht gemerkt haben, dass ich nur nachgezogen habe?

Ich vermutete Klarheit –

wo die Grenzen zwischen Ich und Du verschwommen waren

Sie aber steckten den Terrain ab –

den Terrain, in dem kein Ich sein kann und kein Du

Und verlangten dann: Sei Du

Wo Sie kein Ich waren, und ich darum vergeblich

ein Du forderte – um Ich sein zu können

Denn wo kein Ich, da kein Du

Der Vorsprung, den sie vorgaben

Ihr Vermögen, wo mein Unvermögen herrschte,

war gelogen.

Offenbar ist mein Vorsprung sogar größer –

denn ich weiß um mein Unvermögen.

Sie vermuten Ich, wo keines ist

Klarheit, wo Verschwommenheit herrscht

wähnen sich entwachsen, wo Sie noch verpuppt sind

Wohin nur wollten Sie mir helfen?

 

21.10.07 22:28

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