Schattenspiele

17.8.

nicht gefaxt

Bin also wieder mal, seit langem, bei D. Sölle gelandet (weil ich wusste, sie hat auch was über Nelly Sachs geschrieben und das interessierte mich).

Die einen brauchen die Psychoanalyse, um mit der Religion fertig zu werden; ich brauche die Befreiungstheologie, um mit den Psycho-Wissenschaften fertig zu werden.

Finde noch etwas wichtiges, zu der Ur-Kränkung, dem Nehmen aller Hoffnung. D. Sölle schreibt hier zu Wissenschaft, zu aufgeklärter Sprache: „Ihre größte Schwäche ist, dass sie uns vom Mythos, der Religion und der Poesie isoliert und das mythisch-religiös-poetische Wesen, das wir auch sind, erstickt.“ Das war auch so ein Knackpunkt. Das, was ich ganz am Anfang vollbracht habe, war ein Coming-out, ein Offen-machen dieses Wesens. Nie hatte ich das zuvor gewagt, erst bei Ihnen. Es war der Mut der Verzweiflung, dieses Letzte zu wagen. Ich glaube, für Sie gibt es dieses Wesen gar nicht als gesunder Teil im Menschen, es ist immer Bestandteil des Pathologischen. Deswegen begreifen Sie auch die unvorstellbare Grausamkeit nicht, an der ich fast zerbrochen bin.

Es war das Falsche, die falsche Deutung, die falsche Situationsauffassung, alles – aber es war das Richtige, das einzig Richtige, das ich tat: diesen Teil meines Wesens zur Welt zu bringen, diesen Teil, den ich brauchte, um zu überleben. Es war existentiell wichtig und darum richtig, so falsch alles drumherum gewesen sein mag.

Sie haben das überhaupt nicht mitgekriegt. Für Sie ist all das nur Mittel zum Zweck, diese andere Form der Sprache, des Denkens, des Fühlens. Sie hat keinen eigenständigen Wert, ist nicht Teil des gesunden Menschens, des Alltags.

Denke wieder an das, was mir in der Geschichte Lateinamerikas immer wieder begegnete: Hier wurde in den weißen Eroberern und Missionaren genau die Mentalität gezeichnet, die in meinen Augen auch mein Leben erstickt, genau dieselbe Mentalität, dieselbe Haltung herrscht hier, heute; es ist die der „Meinen“. In der lateinamerikanischen Geschichte entdecke ich meine.

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Sie haben gedacht, ich leite allein aus der Existenz meiner Wünsche (zusammen mit meiner „Zeitverwirrung“ das recht auf deren Befriedigung ab, (wie ich es als Kind gehabt hätte) – „es“ hat mich wieder überschwemmt, und da gingen Sie zunächst noch geduldig mit um , das war noch verständlich. Es war aber anders. Es war nicht das „Wenn andere es in mir berühren,..., weil es mich überschwemmt“, – seit xxxxx nicht mehr.

In xxxxx hat man systematisch den Versuch, Distanz, zu dem, was mich überschwemmt, zu halten, Altes als Altes zu erkennen, vereitelt, mich immer wehrloser und schwächer gemacht, bis ich meine Therapeutin als adäquates Mutter-Gegenüber liebte (obwohl ich tief in mir immer den Betrug spürte. Meine Angst wurde „bearbeitet, indem sie mich wieder und wieder tröstete, beruhigte, streichelte. Das war die „adäquate“ Antwort auf meine Angst (und dabei war das der Grund für die Angst). Und ich dachte, ich muss in genau diesen Zustand wieder ganz hinein (den ich nie mehr ganz verlassen hatte seit xxxxx), indem ich völlig auf Sie (jetzt) angewiesen bin – und ich habe mich dahin gebracht, weil ich dachte, es muss so sein, ich habe eh keine Chance, – wollte aber vorher noch Dinge diesen Zustand betreffend mit Ihnen abklären (die Vorgespräche, die Sie mir versprachen, aber nicht einhielten, und der Antrag schon ohne Absprache weg war) – und dann stand ich da, dachte, ich hatte genau das tun müssen, und das war so selbstverständlich, dass ich es auch gar nicht hätte thematisieren können – und Sie erfüllten keine der Funktionen, die es gebraucht hätte, damit ich hätte überleben können.

Sie sind ein Penner, Herr K; dass Sie nicht gemerkt haben, dass irgendwas ganz verquer ist, so verquer, dass es so alles nicht gehen kann. Dass ich nicht wirklich gestorben bin, ist alles. Ich hoffe, Sie machen an anderen wieder gut, was Sie mich gequält haben. Versuchen Sie doch einfach mal, sich auszumalen, was ich erlebt haben muss mit Ihnen.

Ich glaube, was mich gerettet hat, war meine feste Überzeugung, dass Sie das nicht wollen, dass da irgendwo ein Missverständnis ist.

27.8.97

Wissen Sie, worum es gegangen wäre in unserer Beziehung:

Dass ich mich, weil ich mich wieder in der ursprünglichen wähnte, wieder hätte erinnern können, wie es war, als ich Dinge ganz normal konnte, Alltagsfähigkeiten – so, wie ich am Anfang unserers Kontaktes auf einmal ganz normal den Weg zu Ihrer Praxis machen konnte.

Es kann nicht sein, was ich dachte, nämlich dass xxxxx irreparabel ist –

seelisch-geistige Strukturen sind keine materiellen Wesenheiten/Strukturen; deshalb können sie nicht „zerstört“ sein. Sie sind „weg“, weil ich sie nicht erinnere; weg, weil ich die Beziehung, unter deren Anleitung sie entstanden, aufgekündigt habe, – und damit scheint vieles, zeitweise fast alles, wegzufallen, was ich in dieser Zeit gelernt habe. Aber ich dachte, ich könnte es wieder herstellen, wenn ich mich erinnerte, noch einmal erlebte, wie es ist, diese Dinge zu können. Na ja, aber das steht wohl nicht im psychoanalytischen Lehrplan, und kann deshalb wohl nicht funktionieren.

Do, 4.9.

Manchmal hab ich einfach nur Lust, Ihnen Erlebnisberichte zu schicken. Heute zum Beispiel. Ich bin ganz stolz auf mich, dass ich dem Schüler (Klavier) nicht angesagt habe – obwohl ich nicht weiß, wie ich die Stunde überstehen soll. Ich hab seit Tagen die totalen Gleichgewichtstörungen und bin verwirrt – und nach so einer Stunde zusammenreißen ist es erst mal noch schlimmer. Aber ich mag einfach nicht mehr absagen. Mal sehen, wie weit ich so komme.

Ich bin mir aber nicht sicher, ob das nicht „bin wieder lieb“-Reaktionen sind – wie als Kind, wo ich erst wieder raus durfte, wenn ich „wieder lieb“ war – was ich dann irgendwann verkündete, – um danach nochmal so richtig auf die Kacke zu hauen, weil ich viel zu sauer war, weil man mich zum Selbstverrat gezwungen hatte.

Nein, meine Eltern haben mich nicht kleingekriegt. Und wissen Sie, warum? Weil sie die „Kunst der Verführung“ nicht beherrschten. Das Klima war rauh, kalt und schonungslos – aber diese Doppelbödigkeit und Verführungen, wie sie mich später (fast) um den Verstand brachten – dafür mussten erst Therapeuten kommen.

Ich glaub, ich war prädestiniert dafür, Schwätzern und Verführern aller Art anzuhängen – weil Worte für mich galten, ich nahm sie ernst.

Dass das selbst in Therapien nicht geht, finde ich noch immer eine Katastrophe. Gerade in der Analyse (und anderen Therapieformen auch) ist die Sprache das Mittel der Wahl – eine unscharfe, unsaubere, unklare Sprache, vielleicht sogar doppelbödig – das ist, als würde der Chirurg mit einem stumpfen Messer operieren – er schafft nichts, er verletzt nur, verursacht unnötige Schmerzen und Wunden, die kaum zu nähen sind.

Schlechte Therapie ist schlimmer als keine. Was wollen Sie eigentlich, wenn Sie das einzige Werkzeug, dass Sie haben, nicht beherrschen? Ich bin böse, ich bin verdammt böse. Ihre Arbeit ist ein Witz! Gut gemeint... vielleicht...

Zeigen: 2 mal 2 ist 4 – und trotzdem fünfe gerade sein lassen, das ist die Kunst. Das hatte ich Ihnen zugetraut: professionell und menschlich.

kein datum

Ich könnte Sie umbringen! Es war so ein Wagnis, mich an den inneren Ort zu bringen, wo ich war, wo ich hin musste, um mein Problem zu lösen. Ich habe es gewagt, weil ich Ihnen vertraute. Nachdem ich mich dorthin begeben hatte, fiel Ihnen ein, dass Sie das nicht für sinnvoll hielten. Sie haben mich also ins offene Messer laufen lassen. Und das obendrein noch geleugnet; und nicht deutlich gemacht, weshalb Sie was entschieden.

Den Rest der Zeit konnte ich also damit verbringen a) zu versuchen, in der Tiefe doch mein Problem zu lösen, was gegen Sie aber nicht ging und b) damit fertig zu werden, dass alles über mich hereinbrach, und alles zu spät war. Was Sie gemacht haben ist unterlassene Hilfeleistung.

Dachte gerade, man kann hier nicht gesund leben. Jeder Versuch, hier gesund zu leben, führt in die Krankheit, unweigerlich. Dachte, es ist, als seien Leute in einem alten Bergwerk untergebracht, und sie fänden sich darein, und versuchten, darin gesund zu überleben – statt zu versuchen, das Bergwerk zu verlassen.

Und dann dachte ich, verdammt, ich bin immer noch in der Tiefe eingesperrt und halte das für die Normalität, so habe ich mich daran gewöhnt.


kein datum

Sie sind so blöd, Herr K., so saublöd...

Mir wird immer klarer, wie viel unsinniges leiden Sie mir angetan haben, verlängert haben, was sich in Nullkommanichts hätte entpuppen können.

Formulierte gerade – wieder – einen Brief an Sie. Darüber, dass ich krank bin (gerade akut somatisch, meine ich), und dann immer „weiß“, dass alles falsch ist, was ich Ihnen geschrieben habe, jede Einsicht; dass nur wahr ist, dass ich Sie brauche. Dass es nur einen Weg zurück ins Licht, ans Leben gibt, und der kann nur mit Ihrer Hilfe gelingen. Ich muss durch diesen Dschungel – und der einzige Führer hier können Sie sein. Und wenn es noch 50 Jahre dauert – irgendwann werden Sie begreifen, dass Sie mir lebensnotwendige Hilfe verweigert haben und sie mir dann geben – und ich werde das Tor zurück zum Mensch-sein wieder durchschreiten, bevor ich sterbe, und nur darauf kommt es an.

Es war wieder ganz klar: nur das kann Heilung bedeuten, ganz sicher gefühlt.

Und fragte dann weiter: Aber was soll passieren, wenn es tatsächlich geschähe: Sie begriffen endlich, und sagten, O.K., ich führe Sie da durch; wir fangen jetzt an, lassen Sie los – und ich lasse es noch einmal passieren – was passierte dann mit mir? – –

Richtig. Nichts. Gar nichts. Es geschähe gar nichts.

Und genau um dieses „es geschieht gar nichts“ haben Sie mich betrogen – weil Sie managen mussten, dirigieren, eingreifen, mir etwas deutlich machen wollten– anstatt gerade mein Ja, meine Angstfreiheit in Bezug auf Sie, mein „mit Ihnen tu ich’s“, zu nutzen, damit ich hingucken kann – denn das geht nur in Angstfreiheit – haben Sie mich erneut verschreckt, durch dumme, überflüssige Manöver verschreckt an einem Punkt, wo ich alles riskierte – und das weitere haben Sie ja miterlebt. Weli Sie mir nichts zugetraut haben. Ihre Ungeschicklichkeit hat verhindert, dass ich endlich raus konnte aus diesem Albtraum.

Oder anders ausgedrückt: So wie Sie sich „aufgeführt“ haben, konnte ich es nicht wagen – und gleichzeitig hatte ich’s schon gewagt, hatte mich an den inneren Ort begeben, wo es galt, hinzugucken.

Sie sind ungenau, unscharf, unklar, zweideutig – wo höchste Eindeutigkeit und Schärfe und Klarheit erforderlich gewesen wären – und von einem Fachmann hätte ich das erwarten dürfen. Ein Einlassen auf Ihre Bedingungen glich einer Achterbahnfahrt – in der Phase, als die Dinge entschieden wurden.

Schärfe und Eindeutigkeit, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, helfen da nicht mehr, kommen zu spät, ist nur Quälerei. So etwas wie Klarheit und Transparenz in die ganze Situation und den „Konflikt“ zu bringen, hätte geschehen müssen.

Die einzige Situation, in der sich etwas hätte klären, auflösen können, haben Sie nicht zugelassen. Sie haben keine Auflösung zugelassen. Das wäre die Situation gewesen, in der Sie mir 100% als selbstverantwortlichem Menschen, dem mit Respekt zu begegnen ist, begegnet wären – und das haben Sie nicht. Einem Menschen, den man respektiert, gibt man z.B. nicht, wenn man ihn gerade das vierte Mal sieht, unaufgefordert Ratschläge, wie er mit der Krebserkrankung seiner Mutter umgehen sollte (Ihr Wort) – und gerade diese Situation war anfällig dafür, mich klein zu machen – und entsprechend voller Abwehr, mögliche Gefühle zu zeigen, war ich. Sie haben es nicht geschafft, die Nicht-Retter-Rolle zu übernehmen. Na ja, was soll’s noch.

Therapie ist eben Therapie – und das richtige Leben ist eben das richtige Leben, es findet woanders statt. Aber zweimal war die Therapie mit dem „richtigen“ Leben in Berührung: die Krebserkrankung meiner Mutter und der Kontakt zu Fr. Dr. K. Beide Male haben Sie keinen Respekt vor mir bewiesen. Und dann ist der angebliche Respekt, den Sie in der Therapie vor mir haben, keinen Pfifferling wert – denn Farbe bekannt wird im Ernstfall. Und das haben Sie getan. Dann noch von Respekt zu reden, ist eine Farce. Diese Therapie war ein Betrug.


* * *

14.9.

Herr Keuner sagte: „Schwierig ist, diejenigen zu belehren, auf die man zornig ist. Es ist aber besonders nötig, denn sie brauchen es besonders.“

B.Brecht

Ich glaube noch immer, dass ich etwas anderes verdient hätte, als das, was Sie mir angetan haben –

Und ich glaube, dass Sie etwas anderes verdient haben als meinen Hass und meine Vorwürfe – (nur ich kann nichts anderes) –

Und dann könnten Sie vielleicht begreifen, wo Ihr Versagen liegt, persönlich und strukturell, – könnten Sie die Unmenschlichkeit dessen, worin Sie eingebunden sind und unreflektiert mittun ( denn das Eigentliche reflektieren Sie nicht) erkennen – weil Sie Mensch sind.

Weil Sie es nicht tun, musste ich es tun: reflektieren = widerspiegeln, zurückstrahlen

was Sie tun, wie Sie auf mich einwirken. Ob Sie es wahrhaben wollen oder nicht.

24.10.07 23:51

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