Schattenspiele

Frühjahr 98

Haben Sie wirklich nicht verstanden, warum ich solche Angst haben musste?

Die unerbittliche Lektion meiner Therapien war: Wünsche werden erfüllt, wenn sie einmal ausgegraben sind. Mein Instinkt sagte mir immer, dass das falsch war, aber den möchte ich sehen, der diesen Kampf gewinnt! Krankheit und Helfer waren eins geworden.

Das scheint mir erklärungsbedürftig für jemanden außerhalb meines Kopfes... :-)

Ich glaube, das ist nur verständlich wenn man begreift, wie sehr ich psychoanalytische Denkweise verinnerlicht hatte. Ich ging davon aus, dass Unbewusstes mich treibt, unbewusste wünsche des Kindes, das ich einmal war. Die zur Erfüllung drängten - und mich damit immer in neue Abhängigkeitssituationen brachten. Ich wollte diese Wünsche kennen lernen, wollte wissen, was da in mir ist, was mich treibt. Wollte mich verstehen lernen. Wollte die wirklichen Hintergründe meines Verhaltens verstehen lernen. Aber diese alten unbewussten Wünsche zu erfüllen, halte ich für definitiv falsch. Damit verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart auf pathologische weise, wird jemand auf alten Entwicklungsstufen festgehalten. Und genau das ist ja auch passiert.

Und wenn diese alten Wünsche noch dazu tabuisiert sind, und sie werden erfüllt, bevor ich sie begreife und bejahen kann - dann entsteht HÖRiGKEIT.

Bei Ihnen war das Paradox eingetreten: dass der Zwang zur Freiheit werden sollte, der Missbrauch zur Hilfe.

Es ist nicht gut gelaufen, und ich komme immer wieder an den Punkt, dass ich merke, die Geschichte ist so nicht abschließbar. Es kann mir aber auch keiner helfen, denn alle setzen an der falschen A. als der richtigen an. Ich glaube auch, dass es eigentlich nur aus psychoanalytischem Blickwinkel gelingen kann, die Dinge wieder aufzulösen (Das habe ich auch damals schon geglaubt, und deshalb war ich so verzweifelt über Sie. Und bin auch noch immer empört darüber, dass Sie mich einfach meinem Schicksal überließen, obwohl Ihnen hätte klar sein müssen, dass die Dinge nicht von selbst wieder ins Lot kommen, und Hilfe in dieser Stadt zu finden, haben Sie aus meiner Sicht unmöglich gemacht. Es geht nicht. Ich lande immer wieder bei der Wut. Und ich glaube auch, dass Sie die Wut verdient haben, eher als alles andere. Aber ich habe etwas anderes verdient!

Es ist Ihre Schuld, Herr K:! Wenn Sie von Anfang an sauber gearbeitet hätten, sorgfältig und klar gewesen wären, wäre das alles nicht passiert. Sie wollten nicht so hart sein, in Situationen, in denen es vielleicht schwer gewesen wäre; aber es hätte Sinn gemacht; - nämlich nicht die Rolle des väterlichen Freundes zu übernehmen, als meine Mutter krebskrank wurde, sondern mich als erwachsen achten. Die Distanz wahren. - wogegen die Grausamkeit, die Sie so endlos an den Tag legen mussten, auch nichts mehr genützt hat; sie war sinnlos, eben einfach nur grausam und quälend. Ich hätte Ihre Klarheit und Aufmerksamkeit gebraucht, von Anfang an, und das wäre Ihre Aufgabe gewesen.

Es ist ein Traum, ein uralter Traum, wo ich bin (und es ist noch die Frage, ob es einer ist, der auf den Müll gehört!) – und den ich bewahren möchte, an den ich glaube – und ich schütze ihn vor der Wirklichkeit – deshalb hab ich z.B. auch keine Lust, jemanden anzurufen – ich merke zwar, dass ich ganz weit weg bin, aber ich will allein sein mit meinem Schmerz und meinem Traum

Ich begreife nicht, warum Sie mir nicht helfen konnten. Haben Sie in Ihrer Ausbildung eigentlich auch noch etwas anderes gelernt, außer sich abzugrenzen und für sich selbst zu sorgen? Der Kontaktabbruch war keine gute Idee. Weil ich es bis jetzt nicht geschafft habe. Ich wollte Ihnen meinen Traum zeigen, mich öffnen.

Ich werde nicht fertig mit dem, wie Sie mit mir umgegangen sind. Sie sind der Albtraum zu meinem Traum, obwohl Sie den Traum haben Bild werden lassen.

Ich glaube, dass Sie den Dingen, die Sie anrichten, überhaupt nicht gewachsen sind.

Es ist eine Schande, dass nach missglückten Therapien Menschen einfach sich selbst überlassen werden, und sie sogar noch an anderer Stelle unmöglich gemacht werden (Dr. G), damit mir bloß keiner glaubt – und hilft.

Könnte es vielleicht sein, Herr K:, dass für Sie mein Traum allzu gewöhnlich, zu banal war, Sie so daran gewöhnt sind, dass PatientInnen Ihnen irgendwann solches Vertrauen entgegenbringen, dass Sie es quasi nur noch als Programmpunkt abhaken? Dass Sie überhaupt nicht mehr begreifen, was das vielleicht für den einzelnen Menschen bedeutet, auf ein solches Gefühl zu stoßen? Dass Sie den Respekt davor verloren haben, Sie dieses Wunder – jawohl, Wunder! – überhaupt nicht mehr zu schätzen wissen? Mein „Ja“ war für mich so neu, und so wunderbar, dass ich es kaum fassen konnte. Und schon damals war ich sehr erbost, mit welcher Selbstverständlichkeit Sie anscheinend, als es schwierig wurde, auf meine Loyalität setzten – Sie setzten mein Vertrauen einfach voraus – und hatten für den Augenblick gewonnen – aber in Wirklichkeit war alles verloren. Ich hatte nie vertraut, ich war immer rebellisch; das ganz normale vertrauen, dass andere ihren Lehrern, Ärzten, weiß nicht wem entgegen brachten - ich hab es nie gekannt. Und da war es auf einmal. Und ich fühlte: es ist so wichtig, dass ich auch das zulassen kann.

Ich wusste, dass mein Bild niemals wahr würde, aber ich wollte mich mit Ihnen gemeinsam davon verabschieden. Leider bin ich kein Roboter, und ohne Ihren wirklichen Respekt ging das nicht. Und geht es bis heute nicht.

Nein, so kommen wir nicht weiter. Wir können uns darauf einigen, dass das Ganze in einer Sphäre geschah, die nicht der normalen Realität entsprach, und die Sie offenbar bemüht waren, aufzubrechen. Sie haben nicht, wie die Therapeutin in xxxxxx, die Gefühle dieser Sphäre auf sich gezogen und mich darin bestätigt. Und das sollten Sie ja eben auch gerade nicht. Und trotzdem ist so auch nichts gelöst, Sie haben mich einfach nur allein gelassen, mit unsagbaren Kränkungen, und in der Normal-Wirklichkeit bin ich noch immer nicht wieder, bzw. nur zeitweise.

Jetzt ist’s passè, aber ich glaube nicht, dass der Abbruch eine gute Entscheidung war. Vielleicht komm ich da nie wieder raus.

Will ich das?

Bin ich blind? Vielleicht geht es mir so schlecht, weil ich im Moment nur noch Kontakt zu einer einzigen Person, einer Freundin, habe (außer meinen Schülern); der letzte Mann aus meinem Bekanntenkreis will nichts mehr mit mir zu tun haben, und unsere Gespräche fehlen mir sehr, aber es ist Schicht. Ich glaub, es hat damit zu tun: das männliche Element fehlt. Und die Beziehung zu V ist sehr eng und speziell. Und stößt mich immer wieder auf das Thema „Autismus“.

Na gut. Bleibt die große Frage „Wie?“, aber die Richtung wäre schon mal klar.

Habe gerade noch den alten Zettel dazwischen gefunden, wo ich das mit xxxxx noch beschreibe, und den ich beim letzten Mal nicht mit abgesendet hab, und denke, wieso muss ich damit allein fertig werden, wieso wollten Sie das alles nicht hören... Man muss das alles doch mal jemandem sagen – aber ich denke, Sie hätten es ja hören wollen, nur nicht als der, der Sie zunächst für mich waren

Scheiße !

Außerdem traue ich Ihnen nicht mehr. Ich kann die Sachen nicht abschicken. Wer weiß, was Sie damit machen. Oder ob Sie irgendwann meinen, eingreifen zu müssen – und Sie tun ja sowieso wieder das Falsche.

Wieso hak ich Sie nicht ab? Wieso glaub ich im Grunde meines Herzens noch immer an Sie? Das kapiert niemand.

Vielleicht hätte ich Sie auch in einer anderen Rolle als der des Analytikers gebraucht – ich brauchte Rat, Halt, Orientierung – und hab nur auf meine innere Stimme gehört, und die sagte, Sie sind der Mensch, wo ich das bekommen kann – aber Sie haben gar nicht hingeguckt, Sie haben einfach nur Ihr Programm abgespult.

Sie hätten mir viel geben können – und vielleicht wirklich helfen können. Aber auf dem Ohr sind Sie ja taub – Hauptsache, Sie sind ein guter Analytiker. Wissen Sie, was ein Fachidiot ist?

Ich habe mich eben geirrt. So. Das kommt vor.

„Wie soll man erwachen, wenn man immer nur gelernt hat, zu träumen?...“

Herman v. Veen

Es geht nicht um einen neuen, – seinen– , Weg – es geht darum, den Ansturm aus meinem Inneren aushalten zu lernen; damit umzugehen; mich von meinem Inneren nicht mehr ängstigen zu lassen.

___________

Ich kann nicht mehr – mein Herz kann jeden Moment stehen bleiben – es war zuviel, all die Jahre Angst und Flucht, meine Kraft ist erschöpft. Vielleicht auch das schon der Punkt vor xxxxxx: Meine großen Pläne – Schwindel – weil: ich hatte gar nicht mehr die Kraft. Es ging schon da nicht mehr alles. Meine Kindheit hat schon Unendliches an Kraft gekostet. Ich habe Grenzen. Und ich kann nicht mehr. Das muss ich akzeptieren. Ich kann nur noch ganz ruhig angehen lassen. (Ich glaube, ich wollte ihn, gerade weil ich Angst vor ihm hatte, einspannen, dass ich weitermachen muss; ihn als Antrieb, die Hetze aufrecht zu erhalten– denn damit aufzuhören, war zu bedrohlich; das war das, dem er mich, unverstanden, auch nie allein hätte aussetzen dürfen; indem er nicht „funktionierte“, überließ er mich einer namenlosen Bedrohung)

 ----------------------------------------

Träume:   Führerlose S-Bahn

                 Motorrad mit Raketenantrieb ohne Bremsen ( direkte Antwort auf Savators: “Es gibt das Unwiderstehliche, dass, was dich zur willenlosen Marionette macht, nicht; es ist eine Erfindung derer, die die Freiheit und Verantwortung fürchten.)

 

Und ich bin Ihr Stachel im Fleisch – jetzt weiß ich, warum –

Für Sie waren dieselben Träume angeknackst, gerade in der Zeit, als unsere Therapie begann, gab es in Ihrem Leben dicke Scherben und Brüche (seine Ehe zerbrach und auch die Selbständigkeit hatte einen hohen Preis); daher Ihr Zynismus und Ihre Grausamkeit meinen naiven Träumen und wünschen gegenüber; noch ein Jahr zuvor wären Sie ein guter Therapeut für mich gewesen; und in ein  paar Jahren vielleicht wieder.

2.11.07 22:11

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen