Schattenspiele

Abschied    Begrüßung   Liebeserklärung   Anklageschrift ... –  mal sehn, was es wird.

 

 

An meinen Analytiker...

 

Ich werde eine neue Form des Schreibens finden müssen. Die Situation ist die:

Ihm persönlich kann ich seit langem nicht mehr schreiben, aus Sorge um ihn. Aber ich kann so auch den Abschied nicht nehmen, den ich eigentlich nehmen wollte, nicht von ihm, sondern von dem, wofür er stand. Inzwischen scheint sich aber auch Grundsätzliches in mir geändert zu haben; ich sehe ihn nicht mehr als Verkörperung etwas Alten, wovon ich mich lösen möchte ( und darin sind wir gescheitert), sondern betrachte uns mehr und mehr als Verkörperung zweier grundlegender Antagonisten, als zwei Pole von Wirklichkeit, als zwei extreme Erscheinungsformen, wobei ich gar nicht darauf aus war, dieses Extrem einzunehmen, sondern erst durch die Existenz des anderen Extrems dazu gezwungen wurde.

Ich hätte mich gerne der seinen angenähert, sie kennengelernt, würde mich auch gerne heute unter diesem neuen Vorzeichen annähern, aber all das ist und war in der verfahrenen Situation nicht möglich. Vielleicht kann ich es schreibend tun. Denn ich glaube, dass nur in einer Annäherung die beiden Extreme aufgehoben werden können. Mit der konkreten Person meines Analytikers war das nicht möglich, aber ich möchte nicht in dieser Sackgasse verharren. Mein Versuch also, auch unter Einbezug der unzähligen Briefe, die ich geschrieben habe, mich, unter Erzählen meiner Geschichte, dem anzunähern, was ich als den anderen Pol erlebe, der mich zu dieser Seinsweise zwingt; dabei auch erzählend, was mich anzieht, was ich mir erhoffe, was mich abstößt, was für mich zerstörerisch ist.

Möge dieser Versuch mich ein Stück dem näher bringen, was ich wirklich leben wollte und will!

2.11.07 22:19

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