Schattenspiele

Zeitumstellung

Tagebuchaufzeichnung vom November 1999 zum Thema „Zeit“

Umstellen der Uhren von Sommerzeit auf Winterzeit: es ist 5oo h. Aber meine innere Uhr hat 6oo h. In Wirklichkeit ist es ja auch 6ooh. Aber in wirklicher Wirklichkeit ist es 5oo h. Denn die 6oo h, an die ich mich so gewöhnt habe, beruht auf einer Verstellung, an die ich mich gewöhnt habe.

Richtig oder falsch nützen mir hier nichts. Wenn alle Uhren gleich gehen, werde ich mich, mit der Zeit, wieder gewöhnen. Schwierig wäre es, gingen manche Uhren so, manche so. Zum Beispiel früher gingen die meisten Uhren anders als zu Hause...

Bei ihm fand ich endlich wieder eine Uhr mit der „richtigen“ Zeit, der Zeit, die mit meiner inneren Uhr übereinstimmt. Das ist ein Wissen, daß unauslöschbar ist. Auch wenn er danach die Uhr verhängt hat, verstellt, schließlich mich verjagt hat. Ich habe ihr inneres Ticken vernommen...

Was aber, wenn die richtige Zeit doch nur eine seiner unzähligen Manipulationen, Einstellungen, war, die ich gesehen habe, und, ja natürlich hörte ich in dem Moment auch „ihr“ inneres Ticken, aber in mir, unauslöschlich war es da...

Aber auch dann wäre es doch wichtig gewesen, dieses nicht zu leugnen - wie kann ich als Therapeut da, wo ich mit Unauslöschlichem, d.h. authentischem Selbst, in Berührung komme, so damit umgehen?

Aber ob auch diese richtige innere Uhr wieder nur, so wie mir die jetzt als richtig erscheinende innere Uhr, die 6oo h zeigt, auf einer vorherigen Verstellung beruht? (Und sein befremdendes Verhalten etwas damit zu tun hat, daß für ihn dieses verstellt sein auf jeden Fall gegeben ist? - Selbst wenn es so wäre, rechtfertigte das nicht diese Foltermethoden; denn kein Mensch kann den zweiten Schritt vor dem ersten tun.

Die Anerkennung des Unauslöschlichen wäre wichtig gewesen, statt es wieder zu untergraben; die adäquate Einschätzung innen/außen vielleicht als nächster Schritt - meine innere Uhr ist es, die tickt (wenn es denn so war) - und dann, irgendwann wenn die Zeit dafür reif sich gezeigt hätte, die Verstellbarkeit auch dieser inneren Uhr erarbeiten - das wären machbare Schritte gewesen.

Die Uhr - Spiegel der Zeit; sie zeigt äußeres, meßbares, manipulierbares

Die Uhr - sagt nichts über das Wesen der Zeit

Das Wesen der Zeit ist nicht meßbar, nicht mechanistisch erfaßbar.

Jede Uhrzeit ist Konsens über Formgebung.

Als ich die letzte Therapie begann, wollte ich nichts über das Wesen meiner Zeit erfahren; ich wollte eine Art Feinabstimmung vornehmen. Die Frage des Berufslebens stand drängend im Raum; eine Frage der äußeren Struktur, Formgebung. Mit dem xxxxxx Resultat war diese Aufgabe nicht zu bewältigen - die xxxxxx Einstellung war nicht angemessen. Man mag darüber denken, wie man will, daß ich eine äußere Regulation wollte, aber als mein Wunsch wäre das unbedingt zu respektieren gewesen.

630 h Normalzeit - ich hasse es, wenn ich eigentlich noch schlafe und mein Hirn schon auf Hochtouren läuft...

Aber andererseits (nochmal anknüpfend an meine obigen Gedanken zu meiner Therapie):

Ist Wesen von Form zu trennen?

Gibt es einen Apfel, ein Wesen des Apfels ohne Form?

7.11.07 09:39

bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Sun-ray / Website (12.11.07 00:58)
Also für mich ist das Wesen der Zeit ihre Qualität. Ihre Form entspricht Quantität und dient lediglich vereinbarter Alltagsorganisation.
Erstere ist für mein Leben essentiell wichtig - mit letzterer arrangiere ich mich soweit, dass die Qualität möglichst wenig leidet.

Lieben Gruß dir dalassend! ;-)


schneeflocke / Website (12.11.07 22:47)
Hi sunray,

freu mich über deinen besuch - wenngleich erstaunt - dachte, ich hätte dir in deinem blog die andere Blogadresse von mir dagelassen - nicht die von diesem dunklen...
Ja, so auf den ersten Gedanken stimm ich dir zu.
Ich bin jemand, der sich um die Form lange überhaupt nicht gekümmert hat - sprich, der lange jede Anpassung verweigert hat - der Qualität wegen *smile*. Und dann wollte ich sie - und, nunja, hab ich ja oben zu formulieren versucht.
Aber ich denke, ich wollte sie, weil ohne form die Qualität eben auch leidet.

Lieben Gruß
Schneeflcoke


Sun-ray / Website (13.11.07 00:38)
Oh verzeih, liebe Frau Schneeflocke -
war mir gar nicht klar,
dass du bei mir anders verlinkt hattest.
Zuvor hab ich dich nämlich mal bei Herrn Ikkyu
gelesen und dort war dieser Link angegeben -
den hab ich damals einfach in meine Lesezeichen gepackt.

Und gebe dir völlig recht -
Inhalt ohne Form ist menschlich nicht denkbar.

Warmen Gruß an dich! :-)


schneeflocke / Website (13.11.07 11:01)
Liebe frau sun-ray :-)

yep, bei ikkyu gings ja auch um dieses blog hier - welches aber erstmal ruht - die schneeflocke kocht nämlich grad auf sparflamme bzw. hält winterschlaf... ist also derzeit eine murmelflocke... - aber davon erzähl ich ja drüben... vielleicht. Weiß noch nicht, wo ich Alltagsgedanken derzeit lassen will - sonst stehn die im Forum...
Grüß dich herzlich :-)
Schneeflocke

P.S: kann man hier eigentlich auch bilder einfügen? mal probiern...


schneeflocke / Website (13.11.07 11:02)
hihi, es geht.... suppi... :-)

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